Warum wir unseren Sommer nicht der Wetter-App überlassen

Wir alle kennen diesen Reflex: Im Sommer schauen wir manchmal öfter auf die Wetter-App als auf die Uhr. Entweder droht die nächste 34-Grad-Wand, oder der Sommer entscheidet sich im Juli spontan für eine dreiwöchige Herbstpause.

Eigentlich schade, dass wir unsere Laune so sehr von Isobaren und Regenwahrscheinlichkeiten abhängig machen. Denn das Geheimnis eines richtig guten Sommers liegt nicht im perfekten Wetter. Es liegt darin, wie wir ihm begegnen. Und da kann der eigene Kleiderschrank erstaunlich viel ausrichten. Kleidung ist nämlich weit mehr als nur Ästhetik. Sie ist Klimaanlage, Schutzschild und – wenn es sein muss – pure Therapie.

Dein tragbarer Halbschatten

Wenn die Sonne unerbittlich vom Himmel brennt, gibt es keinen besseren Ort als den Halbschatten unter einem grossen Baum. Und exakt so sollte sich gute Sommerkleidung anfühlen: wie ein schützendes Blätterdach zum Anziehen.

Wenn das Thermometer klettert, verabschieden wir uns von allem, was einengt. Wir setzen auf weite Leinenhemden, die jedem Hauch Wind grosszügig Raum geben, um den Körper zu kühlen. Auf fliessende Jupes und entspannte Leinenhosen, die die Beine vor der direkten Sonne schützen, ohne festzukleben. Das ist keine Magie, das ist einfach kluge Physik. Naturfasern lassen die Haut atmen. Es ist schliesslich eine Frage der Souveränität: Schwitzen ist menschlich – aber in Polyester schwitzen ist absolut freiwillig. Ein cleveres Outfit nimmt der Hitze die Aggressivität und lässt uns selbst dann souverän bleiben, wenn der Asphalt flimmert.

Sommer ist Kopfsache

Und was passiert an den Tagen, an denen der Hallwilersee eher nach November aussieht und der Grillabend ins Wasser fällt? Dann nutzen wir die psychologische Superkraft unserer Garderobe.

Wir lassen das graue Sweatshirt ganz bewusst im Schrank und ziehen den Sommer einfach selbst an. Es ist faszinierend, was Farben und Texturen mit unserem Kopf machen: Das leuchtende, korallenfarbige Hemd, der sanft gemusterte Seidenrock oder der helle Sommeranzug tricksen die Tristesse verlässlich aus. Sie strahlen genau die Leichtigkeit aus, die draussen gerade fehlt. Wer ein frisches, sommerliches Outfit trägt, fühlt sich auch nach Sommer. Selbst wenn man drinnen sitzt und sich dazu einen heissen Tee machen muss.

Gute Kleider passen sich dem Leben an – und machen uns ein Stück weit unabhängig davon, was da draussen vor dem Fenster passiert. Sie nehmen uns die Schwere an Hitzetagen und geben uns die Frische zurück, wenn der Himmel grau ist.

In diesem Sinne: Ignorieren wir den Wetterbericht. Machen wir es uns schön.

See you at the lake.

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«Die zweite Hose muss sitzen.»