Das waren wirklich seine letzten Hosen

“Das sind die letzten Hosen, die ich kaufe.”

Dieser Satz trifft einen. Letztes Jahr sagte ihn ein älterer Herr zu mir, während er in unserem Geschäft stand. Ich reagierte reflexartig: “Sagen Sie so etwas nicht!” – Worauf er mich ruhig ansah und fragte: “Wissen Sie denn, wie alt ich bin?”

Ich schaute ihn an, verglich ihn im Kopf mit Menschen in ähnlichem Alter und wagte eine Schätzung: zwischen 75 und 80. Er lächelte. “Ich werde nächste Woche 100. Und diese Hosen brauche ich für meine Geburtstagsfeier.”

Als ich zum Garderobenvorhang ging, um ihm behilflich zu sein, war er bereits fertig angezogen. Er brauche keine Hilfe, meinte er bestimmt. Er lebe schliesslich noch alleine in seinem Häuschen. Seine Tochter – sicher bereits um die 70 – erzählte mir unterdessen, dass ihr Vater noch selbständig nach Luzern fahre und auf die Rigi reise, wann immer er Lust dazu habe.

Ein Mensch, der mit 99 Jahren noch so durchs Leben geht. Das hat mich beeindruckt. Zwei, drei Monate später kam seine Tochter wieder vorbei. Sie erzählte mir, ihr Vater sei kurz nach dem Geburtstag friedlich eingeschlafen. Es waren wirklich seine letzten Hosen.

Ich denke manchmal an diesen Moment zurück. An seine Würde, seine Selbständigkeit, seinen trockenen Humor. Und daran, dass wir in unserem kleinen Geschäft manchmal mehr als nur Kleider verkaufen – manchmal begleiten wir Menschen in besonderen Momenten ihres Lebens.

Irgendwie traurig. Und irgendwie sehr schön.

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